Wenn die Nacht nicht zur Ruhe kommt: Warum Babys nachts aufwachen — Elternstunde
Elternstunde

Wenn die Nacht nicht zur Ruhe kommt: Warum Babys nachts aufwachen — und was Eltern wirklich ändern können

Katrin Weller begleitet seit 14 Jahren Familien mit Babys, die nachts nicht durchschlafen. Sie hat hunderte Eltern beraten — und bei ihrem eigenen ersten Kind trotzdem monatelang das Falsche versucht. Im Gespräch mit Redakteurin Lena Brandt spricht sie über etwas, das in deutschen Kinderzimmern jede Nacht passiert und über das kaum jemand offen redet.

[BILD: Interviewsituation — zwei Frauen im Gespräch, Beratungsraum]

Es ist früher Nachmittag, als ich Katrin Weller in ihrem Beratungsraum treffe. Auf dem Regal hinter ihr steht ein Foto von zwei Kindern am Strand. Sie merkt, dass ich hinsehe, und lacht kurz. Genau da, sagt sie, fängt die Geschichte an, die sie eigentlich erzählen möchte.

Lena Brandt: Frau Weller, wir sprechen in unserer Reihe „Wachliegen“ mit Fachleuten über Dinge, die Eltern zuhause oft mit sich allein ausmachen. Sie haben sich dieses Gespräch ausdrücklich gewünscht. Warum?

Katrin Weller: Weil ich möchte, dass keine Mutter das durchmacht, was ich damals durchgemacht habe. Bei meinem ersten Kind war ich überzeugt, ich mache alles richtig. Ich hatte das Zimmer abgedunkelt, ich hatte die Trage, ich hatte die Routine. Und trotzdem war er jede Nacht mehrmals wach.

Irgendwann habe ich nachts um kurz nach drei auf dem Boden vor seinem Bettchen gesessen und gedacht: Ich bin diejenige, die anderen Leuten erklärt, wie das geht. Und ich schaffe es bei meinem eigenen Kind nicht.

Sie hält kurz inne.

Katrin Weller: Dieses Gefühl vergisst man nicht. Und das Schlimme ist: ich habe die ganze Zeit an der falschen Stelle gesucht.

„Fast alle Eltern, die zu mir kommen, glauben, es liegt an ihnen“

Lena Brandt: Wie oft hören Sie das?

Katrin Weller: Ständig. Es ist der erste Satz in fast jedem Gespräch. Die Eltern setzen sich hin und sagen: Wir machen bestimmt irgendwas falsch. Und dann zählen sie mir auf, was sie schon alles probiert haben.

Ich lese diese Sätze auch in Elternforen, jeden Tag. Da schreiben Mütter Dinge wie: Wie lange geht das noch so, mir reicht es. Oder: Ich komme mir vor wie eine ganz schlechte Mutter, aber ich weiß einfach nicht, was ich machen soll.

Lena Brandt: Und woran liegt es dann?

Katrin Weller: In den allermeisten Fällen nicht am Kind und nicht an den Eltern. Sondern an etwas, das nachts völlig unbeachtet nebenherläuft.

Die drei Irrtümer, die ich fast jeden Tag höre

Lena Brandt: Was hält Eltern davon ab, die richtige Stelle zu finden?

Katrin Weller: Es sind drei Annahmen, die sich hartnäckig halten.

Der erste Irrtum: „Das wächst sich irgendwann raus.“

Das stimmt sogar, irgendwann. Nur beschreibt „irgendwann“ bei manchen Familien eineinhalb Jahre. Und in dieser Zeit gehen zwei Erwachsene durch etwas, das man nicht schönreden sollte. Man muss nicht abwarten, wenn man in der Zwischenzeit etwas verbessern kann.

Der zweite Irrtum: „Wir haben schon alles probiert.“

Ich frage dann immer nach, und meistens kommt dieselbe Liste: abgedunkelt, Trage, Schnuller, Federwiege, früher ins Bett, später ins Bett. Das sind alles Dinge, die beim Einschlafen ansetzen. Aber das Problem vieler Familien ist nicht das Einschlafen. Es ist das Wachwerden mitten in der Nacht.

[BILD: übliche Hilfsmittel — Trage, Schnuller, Nachtlicht, Handy mit White-Noise-App]
Die meisten Hilfsmittel setzen beim Einschlafen an — nicht beim nächtlichen Aufwachen.

Der dritte Irrtum: „Es ist ja nur kurz.“

Ein Baby, das nachts fünfmal kurz hochkommt und jedes Mal wieder begleitet werden muss, hält zwei Erwachsene wach. Nicht fünf Minuten. Die ganze Nacht.

Was nachts tatsächlich passiert

Als ich sie frage, wie sie es Eltern erklärt, nimmt sie ein Blatt Papier und zeichnet eine Wellenlinie.

Katrin Weller: Babys schlafen nicht durchgehend tief. Sie schlafen in Zyklen, und zwischen zwei Zyklen kommen sie kurz nach oben — sie sind dann für einen Moment ganz nah am Wachwerden. Das ist völlig normal und passiert bei jedem Kind, mehrmals pro Nacht.

Bei Erwachsenen genauso übrigens. Wir drehen uns um und schlafen weiter, ohne es zu merken.

Lena Brandt: Und bei Babys?

Katrin Weller: Bei Babys ist genau dieser Moment die verletzliche Stelle. Wenn in dieser Sekunde etwas passiert — eine Tür, die im Haus zugeht, ein Auto draußen, jemand, der im Bad das Licht anmacht — dann kippt das Kind auf die wache Seite. Und dann ist es richtig wach.

[GRAFIK: Schlafzyklus als Wellenlinie, Geräusch-Symbol genau am Wellental]
Zwischen zwei Schlafzyklen ist ein Baby für einen Moment ganz nah am Wachwerden.

Lena Brandt: Das heißt, es ist gar nicht der Lärm allgemein, sondern das Timing?

Katrin Weller: Genau. Ein Baby kann bei laufendem Fernseher einschlafen. Aber ein einzelnes plötzliches Geräusch in einer sehr leisen Wohnung, genau im falschen Moment — das reißt es raus.

Und das ist der Punkt, den fast niemand kennt: Es ist nicht die Lautstärke, es ist der plötzliche Unterschied. Absolute Ruhe im Zimmer ist nicht der beste Zustand, weil dann jedes kleine Geräusch heraussticht.

[BILD: Kinderzimmer nachts, Scheinwerferlicht wandert über die Wand]
Ein Auto, das draußen vorbeifährt, reicht im falschen Moment aus.

Die Lösung: ein gleichbleibender Klangteppich

Lena Brandt: Was empfehlen Sie Eltern heute?

Katrin Weller: Einen ruhigen, gleichbleibenden Ton, der die ganze Nacht durchläuft. Der legt sich über die Geräusche im Haus, und aus dem plötzlichen Klappen wird ein kaum wahrnehmbarer Unterschied. Das Kind kommt kurz hoch — und rutscht wieder zurück, statt wach zu werden.

Lena Brandt: Das kennen viele als White Noise.

Katrin Weller: Ja, und viele haben es auch schon mal versucht, mit dem Handy oder einer App. Das Problem dabei: das Handy geht in den Ruhemodus, der Akku ist leer, eine Nachricht kommt rein und unterbricht den Ton. Genau dann, wenn es darauf ankommt. Es braucht etwas, das einfach durchläuft und sonst nichts tut.

Lena Brandt: Und was benutzen Sie?

Katrin Weller: Ich empfehle inzwischen das Slumly Dreamlight Go. Es hat 24 verschiedene Klänge — von klassischem White Noise über gleichmäßige Rauschgeräusche bis zu ruhigen Melodien. Man stellt einen Timer, dreißig, sechzig oder neunzig Minuten, oder man lässt es die ganze Nacht laufen. Ich rate meistens zur ganzen Nacht, weil die kritischen Momente eben nicht in der ersten halben Stunde liegen.

Dazu kommt ein Nachtlicht, das man in der Helligkeit anpassen und in der Farbe einstellen kann. Das ist wichtiger, als es klingt: Wenn Sie nachts das Deckenlicht anmachen, um nach dem Kind zu sehen, sind beide wieder richtig wach.

[PRODUKTBILD: Dreamlight Go auf dem Regal im dunklen Kinderzimmer]
Das Slumly Dreamlight Go läuft die ganze Nacht durch und lässt sich in Helligkeit und Farbe anpassen.
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So sieht das im Alltag aus

Lena Brandt: Wie erklären Sie Eltern die Anwendung?

Katrin Weller: Ganz unspektakulär. Das Gerät steht im Kinderzimmer, ein bis zwei Meter vom Bettchen entfernt, nicht direkt daneben. Sie schalten es an, wenn Sie das Kind hinlegen, und lassen es an.

Lena Brandt: Wie laut?

Katrin Weller: Leiser, als die meisten denken. Es soll die Geräusche im Haus abdecken, nicht übertönen. Wenn Sie sich im Zimmer normal unterhalten können, passt es.

Lena Brandt: Und wie lange dauert es, bis man etwas merkt?

Katrin Weller: Das ist unterschiedlich, und ich verspreche da bewusst nichts. Manche Familien berichten schon nach ein paar Nächten von einem Unterschied, bei anderen dauert es länger. Deshalb finde ich es gut, wenn man ein solches Gerät in Ruhe ausprobieren kann, ohne sich sofort festlegen zu müssen.

Was sich verändert, wenn die Nächte ruhiger werden

An dieser Stelle lehnt sich Katrin Weller zurück, und zum ersten Mal im Gespräch lächelt sie richtig.

Katrin Weller: Das Schönste ist nicht das Kind. Das Schönste sind die Eltern.

Ich hatte kürzlich eine Mutter am Telefon, die hat mir erzählt, sie sei morgens zum ersten Mal seit Ewigkeiten allein aus dem Haus. Nur eine kleine Runde. Sie hat gesagt: Das klingt nach nichts, aber für mich war das alles.

Und genau so ist es. Es geht nicht um die perfekte Nacht. Es geht darum, dass man tagsüber wieder ein Mensch ist.

[BILD: Mutter morgens draußen, ausgeruht, allein unterwegs]
Nicht die perfekte Nacht verändert etwas — sondern der Tag danach.

Lena Brandt: Wem würden Sie das Gerät empfehlen?

Katrin Weller: Allen, deren Kind abends gut einschläft und trotzdem mehrmals nachts hochkommt. Und allen, die in einer hellhörigen Wohnung leben, an einer Straße, oder mit Geschwisterkindern im Haus. Also ziemlich vielen.

„Ich hätte es gern früher gewusst“

Lena Brandt: Ganz zum Schluss — was würden Sie Ihrem eigenen Ich von damals sagen?

Katrin Weller: Dass sie an der falschen Stelle sucht. Ich habe monatelang an der Einschlafbegleitung gefeilt, und das Problem lag ganz woanders. Wenn ich das früher verstanden hätte, hätte ich mir und meinem Sohn eine Menge Nächte erspart.

Es ist die Art, wie sie das sagt — ruhig, ohne Vorwurf an sich selbst — die mir noch nach dem Gespräch nachgeht. Manchmal ist es nicht die große Umstellung, die etwas verändert. Manchmal ist es etwas, das einfach die ganze Nacht durchläuft.

Was Eltern nach ein paar Wochen berichten

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Stellen Sie sich diese eine Nacht vor

Sie legen Ihr Kind hin. Sie gehen aus dem Zimmer. Und Sie kommen nicht wieder rein.

Sie sitzen auf dem Sofa und merken irgendwann, dass Sie einfach nur dasitzen. Kein Lauschen, kein Aufspringen, kein „gleich fängt es wieder an“. Sie gehen ins Bett und schlafen durch. Und am nächsten Morgen sind Sie nicht diejenige, die sich durch den Tag schleppt.

Genau darum geht es. Nicht um ein Wundermittel. Um einen ruhigen Ton, der die Nacht zusammenhält.

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